Frequentis: Hidden-Champion aus Österreich

Aktualisiert: Jan 8

Die Frequentis AG wurde 1947 in Wien gegründet und produzierte in der Nachkriegszeit vorwiegend Funkanlagen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen zum globalen Vorreiter bei sicheren Kommunikationssystemen, zunächst im Bereich der Flugverkehrssicherheit. Die heutige Unternehmensgruppe entwickelt darüber hinaus ebenfalls Kommunikationssysteme für die Feuerwehr, Sicherheitsbehörden, Rettungsdienste oder auch die Bahn. Zu den Kunden zählen einige sehr namhafte Adressen wie die NASA, Scotland Yard, die Bundeswehr, die deutsche wie die österreichische Bahn oder die europäische Flugsicherung. Chinas neue Mega-Flughafen, der Beijing Daxing International Airport, wird ebenfalls mit Technik von Frequentis ausgestattet. Typisch für einen mittelständischen Hidden Champion ist die Fokussierung auf einen kleinen Nischenmarkt. Zwar beträgt der weltweite Marktanteil im Bereich Kommunikationssysteme für die Flugsicherheit rund 30 %, da die absolute Größe dieses Marktes jedoch vergleichsweise gering ist, beträgt auch die Marktkapitalisierung von Frequentis lediglich gut 230 Mio Euro. Durch eine Ausweitung des Angebots und die Verbreiterung der Kundenbasis soll sich dies jedoch künftig ändern.


Der langen Unternehmenshistorie zum Trotz erfolgte die Börsennotierung erst im Mai 2019 zu einem Emissionspreis von 18 EUR je Aktie. Hannes Bardach, ehemaliger CEO und jetziger Aufsichtsratschef, bleibt mit rund 68 % Kernaktionär. Mit den Erlösen aus dem IPO soll nun die Erweiterung der Produktpalette und die internationale Expansion vorangetrieben werden. Von Corona scheint Frequentis indes nicht zu stark betroffen zu sein. Erst kürzlich sagte der neu ernannte CEO Norbert Haslacher, dass die Firma auf Vollauslastung laufe und der Auftragsbestand bei gut 400 Mio Euro liege. Im März 2020 wurde ein Mehrheitsanteil an der deutschen Softwarefirma ATRiCS übernommen, um das Produktangebot für Flughäfen weiter zu stärken. Derzeit fließen bei Frequentis ebenfalls viele R&D-Mittel in den Bereich Abwehr illegaler Drohnen im Flughafenumfeld.


Frequentis teilt das Geschäfte in die Bereiche Air Traffic Management und Public Safety & Transport auf. Auf ersteren Bereich entfallen 67 % des Geschäfts, auf letzteren entsprechend 33 %. Rund 90 % des Umsatzes werden aus Folgegeschäften mit Bestandskunden erzielt, etwa 40 % davon entfallen auf Wartungs- oder Beratungsdienstleistungen für bereits installierte Produkte. Regional verteilt sich der Umsatz folgendermaßen: Europa 61 %, Amerika 19 %, Asien 13 %, Ozeanien 6 % und Afrika 1 %. Stand jetzt ist der Großteil der Kundschaft die öffentliche Hand. Durch die besonderen staatlichen Modalitäten bei der Budgetierung und Auftragsvergabe entfällt der Gewinn bei Frequentis fast komplett auf die zweite Jahreshälfte. Künftig will man jedoch auch im privaten Bereich wachsen.



Wie man von einem alteingessenen, mittelständischem Hidden Champion erwarten würde, ist die Bilanz sehr solide. Es gibt keinen nennenswerten Goodwill und die Finanzschulden i.H.v. 5,5 Mio langfristig und ca. 1,6 Mio kurzfristig könnten auf einen Schlag aus den liquiden Mittel zurückgezahlt werden. Frequentis ist dementsprechend netto schuldenfrei.



Das Betriebsergebnis wächst in den letzten Jahren konstant. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen seit 30 Jahren durch alle Krisen hindurch profitabel gewesen. Für ein "Hightech"-Unternehmen könnten die Margen etwas höher sein. Diese werden jedoch kontinuierlich verbessert. Insbesondere das Folgegeschäft mit Bestandskunden ist margenstärker und für 2019 stand immerhin eine EBIT-Marge von 5,67 % zu Buche.


Mir gefällt die Frequentis-Aktie sehr gut als kleine Small-Cap-Beimischung im Portfolio. Die Bewertung ist akzeptabel. Das KGV liegt bei gut 13,5. Darüber hinaus: Solide Finanzierung, Marktführer in ihrer Nische, langfristig denkender Kernaktionär und da Frequentis im Bereich der Sicherheit im kritischen Infrastrukturbereich tätig ist, dürfte das Geschäft vergleichsweise wenig konjunkturabhängig sein. Seit der Börsennotierung im Mai 2019 ist noch wenig Bewegung in die Aktie gekommen. Derzeit scheint Frequentis noch unter dem Radar vieler Investoren zu fliegen. Sollte die Firma jedoch selbst im aktuell schwierigen wirtschaftlichen Umfeld weiter konstant wachsen, dürfte sich das sicherlich bald auch im Kursverlauf widerspiegeln.



Die ersten drei Analysten, die das Unternehmen analysiert haben, zeigen sich ebenfalls optimistisch:




Dieser Artikel wurde von Jan Regenbogen verfasst.