Buchreview: "Der Meister der Märkte: Wie Jim Simons die Quantenrevolution entfesselte"

Was tut jemand, der als Wissenschaftler bereits den mathematischen Olymp erklommen hat[1], ein erfolgreicher Codeknacker im kalten Krieg für die Vereinigten Staaten von Amerika war, an der Harvard Universität unterrichtet sowie an der State University of New York at Stony Brook eine erfolgreiche mathematische Fakultät aufgebaut hat?


James „Jim“ Harris Simons war um die 40 Jahre alt und suchte eine neue Herausforderung. Er hatte in jüngerem Alter schon ein bisschen an der Börse gehandelt, aber nun nutzte er sein Charisma und seine Bekanntheit in der mathematischen Fachwelt, um weitere hochbegabte Mathematiker für sein tollkühnes Unterfangen anzuwerben: Er wollte mithilfe mathematischer Methoden und Modelle an der Börse sehr viel Geld verdienen.


Für die wirtschaftswissenschaftliche Fachwelt zu diesen Themen hat er sich wohl nie interessiert. Während Eugene Fama, der Nobelpreisträger und Vater der Effizienzmarkthypothese, davon ausging, dass man keine systematischen Überrenditen an Finanzmärkten erzielen und aufgrund historischer Preisdaten keine zuverlässige Prognose für die zukünftige Preisentwicklung treffen kann, sagte Jim Simon zu seinen Kollegen am Anfang ihrer Fondsaktivitäten: „Wenn uns genügend Daten zur Verfügung stehen, können wir Prognosen stellen – das weiß ich.“


Die Handelsstrategie basierte auf Computeralgorithmen und darauf, Unmengen an Daten zu sammeln, die Auswirkungen auf Finanzmarktpreise haben können. Diese Daten werden analysiert, um daraus statistische Wahrscheinlichkeiten für kurzfristige, zukünftige Preisentwicklungen zu berechnen. Selbst wenn diese Prognose im Mittel „nur“ in 50,75% aller Fälle richtig liegt, lässt sich durch eine sehr hohe Anzahl an Transaktionen sehr viel Geld verdienen. Dabei trifft der Mensch keine Investmententscheidung, sondern die Kauf- oder Verkaufsentscheidung gibt der Algorithmus vor. Jim Simons und sein Team begannen mit dieser Methodik lange bevor Schlagwörter wie „Big Data“ und „Algorithmus“ in aller Munde waren und als die technische Entwicklung von Computern noch in den Kinderschuhen steckte.


Das Buch erzählt die Geschichte von Jim Simons und seinem Hedgefonds größtenteils in zeitlich chronologischer Reihenfolge, beginnend in Simons Jugend und endend in der Gegenwart. Dabei werden immer auch wieder die (menschlichen) Hintergründe seiner wichtigsten Partner im Unternehmen sowie die Handelsstrategie detaillierter beleuchtet. Es setzt keine tieferen statistischen Kenntnisse voraus und beleuchtet nebenbei auch noch die Entwicklung der größten vergleichbaren quantitativen Fonds zu der Zeit. Damit richtet sich das Buch an alle Leser, die sich für quantitatives Investieren und die Geschichte hinter dem erfolgreichsten (Quant-)Fonds aller Zeiten und den dahinterstehenden Personen und Methoden interessieren.


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-- [1] Jim Simons erhielt 1976 mit dem Oswald-Veblen-Preis für Geometrie einen der wichtigsten mathematischen Preise in diesem Gebiet. Seine zusammen mit Shiing-Shen Chern erzielten Forschungsergebnisse finden insbesondere Anwendung in der Physik (z.B Stringtheorie).



Dieser Artikel wurde von Alexander Rathje geschrieben.