Alphabet: Die Macht der Suchmaschine

Aktualisiert: Jan 8

Google wurde 1998 von Larry Page und Sergey Brin als Online-Suchmaschine gegründet. Die beiden Informatiker hatten sich während ihres Studiums in Stanford kennengelernt. Mittlerweile werden etwa 75 % der Desktop-Suchanfragen und 85 % der Handy-Suchanfragen über Google getätigt.


Das operative Geschäft wird heute von Sundar Pichai verantwortet. Page und Brin haben jedoch nach wie vor das Sagen im Unternehmen. Dies resultiert aus einer Besonderheit bei der Klassifizierung der Aktien, die sich in A, B und C aufteilen. An der Börse notiert sind lediglich Aktien der Klasse A (1x Stimmrecht) und C (kein Stimmrecht). Die B-Aktien, fast ausschließlich in Besitz von Page und Brin, haben hingegen ein 10-faches Stimmrecht. Machen wir es kurz und schmerzlos: Als normale Aktionäre werden wir hier extrem diskriminiert und haben faktisch weder Mitspracherecht noch Sanktionsmöglichkeiten. Obwohl Page und Brin nur einen kleinen Teil des Eigenkapitals stellen, haben sie dank des 10-fachen Stimmrechts ihrer B-Aktien nach wie vor die absolute Kontrolle.


Doch zurück zum Unternehmen: Über die Jahre ist Google zu weit mehr geworden als nur eine Suchmaschine. Das breite Sammelsurium an Unternehmungen hat dazu geführt, dass im Jahr 2015 "Alphabet" als Holding-Gesellschaft gegründet wurde. Auch die ehemaligen Google-Aktien firmieren nun unter dem Namen Alphabet. Wie die neue Struktur des Konzerns ist und was Alphabet heute alles macht, zeigt das folgende Schaubild von GoogleWatchBlog (Hinweis: seit Erstellung der Grafik wurden Nest und Jigzaw Google untergeordnet):



Unter dem Dach von Alphabet wird allerhand geforscht. Am autonomen Fahren, AI, Smart Cities, IoT und sogar am ewigen Leben. Alles spannende Themen mit viel Zukunftsmusik. Hier scheint sich Peter Thiels Aussage, dass Monopolgewinne erst langfristige Planung und die Finanzierung ehrgeiziger Forschungsprojekte ermöglichen, zu bewahrheiten (s. Buchvorstellung "Zero to One"). Denn machen wir uns nichts vor: Google ist (Quasi-)Monopolist auf dem Suchmaschinenmarkt und hat maßgeblich in der Hand, wer oder was im Internet gefunden wird. Das sorgt u.a. für eine enorme Preissetzungsmacht. Entsprechend ist das Brot und Butter-Geschäft nach wie vor die Werbung/Promotion im Suchmaschinenbereich. Um nicht zu sagen: Es ist de facto das Geschäft, in dem Alphabet wirklich Geld verdient.



Wie sich in diesem Auszug aus den letzten Quartalszahlen ablesen lässt, machen die Einnahmen mit der Suchmaschine knapp 100 Mrd. US-Dollar Umsatz aus. Das sind etwas über 60 % vom Gesamtumsatz. Hier lässt sich ebenfalls sehen, dass Googles Cloud-Umsatz im Vergleich zu Amazon/AWS (s. Unternehmensvorstellung Amazon) ein schlechter Witz ist. Zwar wächst der Bereich rapide und CEO Pichai will dieses Wachstum weiter vorantreiben, jedoch bezweifle ich, dass Google jemals zu Amazon oder Microsoft wird aufschließen können.



In Alphabets Gewinn- und Verlustrechnung zeigen sich auch nochmal die extrem hohen Kosten für Research & Development in Höhe von 26,018 Mrd. US-Dollar. Dies geht maßgeblich auf die "other bets" zurück, die sich zwar mit vielen interessanten Themen beschäftigen, derzeit aber noch enorme Mengen Cash verbrennen. Dennoch, den hohen R&D-Kosten zum Trotz, kann sich die operative Marge von etwas über 21 % durchaus sehen lassen. Dem genauen Beobachter wird aufgefallen sein, dass "European Commission fines" eine eigene Kostenposition in Alphabet GuV sind. Ich habe herzlich lachen müssen. Weiter so, Frau Vestager!


Zu guter Letzt möchte ich wieder auf zwei Punkte eingehen, die mir bei allen meinen Investments wichtig sind - eine solide Bilanz und ein möglichst konjunkturunabhängiges Geschäft. Die Unternehmen, in die ich investiere, sollen auch Rezessionen und Krisenjahre überstehen, ohne von Insolvenz bedroht zu sein.



Bei Alphabet können wir die Kommentare zur Bilanz kurz halten. Die Eigenkapitalquote ist überragend. Das Unternehmen hat kaum Schulden und verfügt über fast 120 Mrd. US-Dollar Cash bzw. Cash-Äquivalente (z.B. kurzfristige Staatsanleihen).


Die langfristige Umsatzentwicklung ist ebenfalls hervorragend, wie die untenstehende Grafik von Statista zeigt. Auch in der Finanzkrise 2008/09 konnte das Umsatzniveau zumindest gehalten werden. Es scheint so als würden Unternehmen selbst in schwierigen Zeiten ihre Ausgaben für Googles Werbedienstleistungen kaum zurückfahren.




Alphabets Marktkapitalisierung beträgt zurzeit in etwa 770 Mrd. US-Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei leicht über 22, das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei circa 4,7. Dazu starker Cashflow, starke Bilanz, starkes Wachstum. Meiner Einschätzung nach ist Alphabet auf diesem Niveau relativ fair bewertet. Aktuell ist Alphabet eine der größten Positionen in meinem Portfolio. Ob das auch in Zukunft so sein wird, hängt maßgeblich von der Entwicklung der "other bets" (und den Kartellbehörden) ab. Gerade den Bereich Gesundheit halte ich für sehr spannend. Ende 2019 hat Alphabet den Anbieter von Fitness-Trackern Fitbit übernommen. Ob im Bereich Gesundheit, autonomes Fahren oder sogar in der "Fischerkennung" (mehr Infos dazu: https://www.ft.com/content/094e6a6c-5a4a-11ea-a528-dd0f971febbc), für Alphabets Wissen im Bereich AI gibt es zahllose Business Cases. Deren Monetarisierung gelingt jedoch noch nicht. Die Abhängigkeit vom Suchmaschinengeschäft ist entsprechend hoch. Dennoch: Bis dato kann sich die Entwicklung - in der Grafik unten im Vergleich zum S&P 500 Index - durchaus sehen lassen. Wir bleiben gespannt!




Wen es interessiert, hier noch ein Ausschnitt von Finanznachrichten. Die Analysten sind überzeugt:




Dieser Artikel wurde von Jan Regenbogen verfasst.